Der Morgen danach
Eine Eisenbruch Short Story
In der offiziellen Story geht es oft um Technik und Krisen. Hier ist ein leiser Moment, der in Episode 2 keinen Platz mehr hatte.
Der Linoleumboden im Verwaltungstrakt glänzte. Meine Sicherheitsschuhe quietschten bei jedem Schritt. Ein Geräusch, das hier oben so fremd klang wie ein Presslufthammer in einer Bibliothek.
Ich trug zwei Becher. In beiden schwappte die dunkle Plörre aus dem Automaten im Flur.
Julia saß an ihrem Platz. Der Schreibtisch war aufgeräumt. Kein Staubkorn, keine Ölflecken. Nur ein Kalender, ein Locher, das Telefon. Sie tippte etwas in eine Excel-Tabelle. Ihre Bluse war weiß. Blendend weiß. Ich schaute kurz an mir herunter. Meine Arbeitshose hatte einen neuen Fleck am Oberschenkel.
Ich blieb im Türrahmen stehen. „Morgen.“
Julia stoppte mitten im Anschlag. Sie drehte den Kopf und schaute mich an. Kurz, prüfend. Wie man ein Manometer abliest. „Morgen, Mark.“
Ich ging die drei Schritte zu ihrem Tisch und stellte einen der Becher ab. Vorsichtig. Bloß nichts verschütten. „Mit Milch. Ohne Zucker. Wie immer.“
Sie sah auf den Becher. Dampf stieg auf. „Ist das eine Bestechung?“
„Ein Friedensangebot.“ Ich rieb mir mit der freien Hand über den Nacken. Der Muskelkater von der gestrigen Expedition in Halle 3 meldete sich. „Wegen gestern. Das Wegdrücken. War scheiße von mir.“
Julia lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Sie verschränkte die Arme, aber ihr Gesichtsausdruck wurde weicher. Nicht viel. Aber genug. „Ich weiß, was unten los war, Mark. Werner hat es mir erzählt.“
Natürlich hatte er das. Der Buschfunk war eines der wenigen Dinge, die in Eisenbruch noch reibungslos funktionierten.
„Trotzdem“, sagte ich. „Du machst deinen Job. Und ich meinen. Ich hätte dich nicht anblaffen dürfen.“
Sie griff nach dem Becher, nahm einen Schluck und verzog keine Miene, obwohl das Zeug schmeckte wie Batteriesäure. „Schwamm drüber. Aber nächstes Mal…“ Sie ließ den Satz in der Luft hängen. Eine Warnung. Und ein Versprechen.
„Dann bin ich nett. Versprochen.“
„Gut.“ Sie drehte sich wieder zum Bildschirm. „Und jetzt verschwinde, bevor ich es mir anders überlege.“
„Bin schon weg.“
Ich drehte mich um. Im Gehen sah ich, wie sich ihre Mundwinkel zu einem leichten Lächeln verzogen. Ich nahm einen Schluck aus meinem eigenen Becher. Er schmeckte widerlich. Aber als ich die Treppe zur Werkstatt runterlief, schmeckte er irgendwie nach Sieg.
👉 Du willst wissen, warum es überhaupt geknallt hat?



Nice!